Antikörpersuchtest


Was ist der Antikörpersuchtest?

Der Antikörpersuchtest ist Bestandteil einer jeder Blutgruppenbestimmung und ein zwingend notwendiger Test vor jeder Operation. Vornehmlich dient er der Erkennung irregulärer Antikörper im Serum eines Patienten. Der Antikörpersuchtest wird durchgeführt, um beispielsweise bei Operationen Transfusionszwischenfälle zu vermeiden, wobei der Antikörpersuchtest nicht älter als 3 Tage und die für die Antikörpersuche eingesetzte Blutprobe nicht älter als 24 Std. sein darf.

Wozu dient der Antikörpersuchtest in der Schwangerschaft?

Jede Frau bildet in den ersten Monaten der Schwangerschaft natürliche Antikörper gegen Antigene fremder roter Blutkörperchen. Mithilfe des Antikörpersuchtests soll im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen festgestellt werden, ob im Blut der Mutter natürliche Antikörper gegen Antigene fremder roter Blutkörperchen gebildet wurden oder ob irreguläre Antikörper im Blut der Schwangeren vorhanden sind. Darüber hinaus wird mit dem Antikörpersuchtest geprüft, ob eine Rhesusunverträglichkeit besteht.

Der Antikörpersuchtest wird normalerweise bei der ersten Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung durchgeführt und zwischen der 24. und der 28. Schwangerschaftswoche wiederholt. Sollte der Test 2x negativ ausfallen, braucht sich Sie die werdende Mutter keine weiteren Sorgen über eine mögliche Rhesusunverträglichkeit machen.

Was bedeutet Rhesusunverträglichkeit?

Zusätzlich zur Einteilung des Blutes in die Gruppen A, B und 0 wird diesem ein weiteres Merkmal, der Rhesusfaktor, zugeteilt. Das System der Rhesusfaktoren unterscheidet in rhesus-positive Menschen, deren rote Blutkörperchen das Rhesusmerkmal D tragen (Rh-pos. oder D+) und rhesus-negative Menschen, deren roten Blutkörperchen das D-Merkmal fehlt (rh-neg., d-neg. oder d-). Durch Vererbung kann es zudem vorkommen, dass bei einer Schwangerschaft von einer rhesus-negativen Mutter von einem rhesus-positiven Vater ein rhesus-positives Kind (D+) entsteht.

Gelangt nun Blut von diesem rhesus-positiven Kind in den Blutkreislauf der Mutter, erkennt das Immunsystem der Mutter die roten Blutkörperchen des Kindes als Fremdkörper und bildet Antikörper gegen sie (Rhesusunverträglichkeit). Diese Antikörper führen dann zum Abbau der fremden roten Blutkörperchen des Kindes im Körper der Mutter.

Die Rhesus-Sensibilisierung
 

Findet eine wie oben beschriebene Übertragung kindlichen Blutes während der Schwangerschaft oder der Geburt statt, bleiben diese kindlichen roten Blutkörperchen etwa 80 Tage im Blutkreislauf der Mutter, ehe sie ganz normal abgebaut werden. Allerdings kann es während dieser Zeit vorkommen, dass der mütterliche Körper einer rhesus-negativen Frau Antikörper gegen das D+ bildet, die zur Zerstörung der Blutkörperchen führen. Dieser Vorgang wird Rhesus-Sensibilisierung genannt.

Ablauf des Antikörpersuchtest

Für den Antikörpersuchtest wird die Blutprobe der Schwangeren mit speziellen roten Blutkörperchen zusammen gebracht, die die jeweiligen zu testenden Antigene enthalten. Standardmäßig wird bei der Untersuchung im Labor nach Merkmalen des Rhesusfaktors und nach Antigenen des Kell-, Duffy- und MNS-Systems gesucht.
Nach Abschluss der Analyse werden die Ergebnisse dem behandelnden Arzt mitgeteilt, damit dieser eventuell folgende Schritte einleiten kann. Statistisch gesehen, fällt der Antikörpersuchtest in der großen Mehrzahl der Ergebnisse negativ aus. Bei einem positiven Befund gehören die Rhesus-Antikörper zu den am häufigsten gefundenen.

Was passiert, wenn der Test positiv ausfällt?

Falls die Mutter rhesus-negativ ist oder der Antikörpersuchtest zeigt, dass Antikörper in Ihrem Blut bestehen, wird der behandelnde Arzt zwischen der 28. und 40. SSW, spätestens jedoch zur Geburt eine Rhesusprophylaxe verabreichen. Dazu wird der Mutter Anti-D-Immunglobulin gespritzt. Anti-D-Immunglobulin ist ein Medikament, welches darauf ausgelegt ist, dass die kindlichen roten Blutkörperchen (mit dem Merkmal D+) bei einem Übertritt auf die Mutter aus deren Kreislauf entfernt werden, bevor sie das Immunsystem der Mutter aktivieren.

Die Rhesus-Prophylaxe funktioniert in zwei Stufen:

Zunächst wird der rhesus-negativen Schwangeren in der 28. – 30. Schwangerschaftswoche eine Dosis Anti-D-Immunglobulin zur Vorsorge verabreicht. Diese hat zum Ziel, eine mögliche Sensibilisierung während der Schwangerschaft zu verhindern.

Nach der Geburt des rhesus-positiven Kindes erhält die Mutter erneut eine Dosis Anti-D-Immunglobulin. Dadurch wird die Sensibilisierung durch D-positives Blut, das während der Geburt in den Kreislauf der Mutter gelangt ist, verhindert.

Konsequenzen für die nächste Schwangerschaft

Sollte im Verlauf einer vorangegangen Schwangerschaft eine Rhesus-Sensibilisierung der Mutter stattgefunden haben, so gelangen bei einer folgenden Schwangerschaft die gebildeten Antikörper über den Mutterkuchen in den Blutkreislauf des Kindes. Daraufhin schüttet das Immunsystem der Mutter eine große Menge Antikörper aus. Sollte das Kind rhesus-positiv sein, führen die Antikörper zum Abbau der roten Blutkörperchen im Kind. Die Folgen können dann Blutarmut, Gelbsucht, Wassersucht, Krämpfe oder schwere Missbildungen beim Kind sein. Durch präventive Maßnahmen kann dem jedoch entgegengewirkt werden.