Kryokonservierung

 

Was ist unter Kryokonservierung zu verstehen?

 

Die Kryokonservierung bezeichnet in der Reproduktionsmedizin eine indirekte Methode, bei der durch eine Hormontherapie gewonnene Eizellen der Frau bzw. beim Mann gewonnenen Spermien (beispielsweise durch eine TESE) für eine zukünftige Nutzung eingefroren werden.

Die Lagerung erfolgt hierbei im Vollkernstadium in flüssigem Stickstoff bei ca. -195 Grad Celsius und ist theoretisch über mehrere Jahre einsetzbar. Ermöglich wird diese lange Dauer durch den Einsatz spezieller Kryokonservierungsverfahren, bei denen Zellen mit einem membranschützenden Medium versetzt werden sowie durch die Anwendung von computergestützten Temperaturprogrammen zur Steuerung des Einfrierprozesses. Einige Medien berichten in diesem Zusammenhang, dass eine Lagerung von Eizellen und Spermien nicht sinnvoll ist, da die Wiederverwendungsrate nach dem Auftauen des Erbgutes nicht im Verhältnis zum versprochenen Erfolg steht. Ignorieren Sie diese getrost; in der Regel beträgt die Überlebensrate um die 70 Prozent.

Die aufgetauten Zellen selber entwickeln sich entgegen vieler Behauptungen in ganz normalen Bahnen. Weder ist mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, noch mit  Erbgutschäden für den Embryo zu rechen.  Der einzige Nachteil der festgestellt werden kann, liegt in der im Vergleich zur ICSI bzw. IVF Behandlung verringerten Erfolgschance einer Schwangerschaft. Diese liegt im Mittel bei ca. 20 Prozent.

 

Welche Gründe sprechen für eine Kryokonservierung?

 

Eine Kryokonservierung wird seitens des Arztes immer dann empfohlen, wenn für die Frau bzw. den Mann die Vorbehandlungen bei der jeweiligen Methode der künstlichen Befruchtung mit erheblichen Belastungen verbunden sind. Hierbei steht vor allem die Partnerin im Vordergrund, die durch die hormonelle Behandlung, eine Follikelpunktion bzw. die Narkose während der Eizellenentnahme besonders betroffen ist. Nicht selten resultiert hieraus ein Überstimulierungssyndrom bei der Frau.

Nicht zuletzt sollten Sie über die Kosten als Entscheidungsgrund für eine Kryokonservierung im Klaren sein.  Gerade die anfallenden Aufwendungen für Behandlungsmethoden wie der ICSI oder der IVF können schnell auf 1000 Euro und mehr steigen; bei einer Kryokonservierung müssen sie abhängig von der Anzahl der Eizellen bzw. Spermien von 350 bis 650 Euro einschließlich der Lagerung dieser für ein halbes Jahr rechnen. Die meisten Paare bevorzugen daher diese option.

 

Welche Arten der Kryokonservierung gibt es?

 

Generell ist es im Rahmen der Kryokonservierung derzeit möglich, Eizellen, Spermien sowie Hoden- und Eierstockgewebe einzufrieren und zu lagern. Nachfolgend können Sie nachlesen, was im Einzelnen zu beachten ist bzw. welche Vor- und Nachteile sich ergeben.

 

 

Einfrieren von Spermien

 

Damit das Einfrieren von Spermien durch den behandelnden Arzt genehmigt wird, müssen bei Ihnen als Spender diverse Einschränkungen in der Person des Mannes bzw. auf körperlicher Seite vorliegen. Falls Sie sich zu diesen nicht sicher sind, fragen Sie bitte bei Ihrem behandelnden Arzt oder beim zuständigen Ansprechpartner Ihrer Krankenkasse nach. Nachfolgend sind die beiden wichtigsten Einschränkungen exemplarisch genannt.

Um das Einfrieren Ihres Ejakulates durch den Arzt genehmigt zu bekommen, muss ein negativer HIV Status vorliegen. Hierfür wird der Spender zunächst einem HIV-Test unterzogen. Fällt dieser negativ aus, wird die Probe für einen bestimmten Zeitraum, der in der Regel 6 Monate beträgt, zwischengelagert und daraufhin einem erneuten Test unterzogen. Erst wenn dieser mit einem negativen Ergebnis bestätigt wurde, können die Spermien aufgetaut und für eine anstehende Behandlung genutzt werden.

Der zweite Grund für den behandelnden Arzt einer Einfrierung von Spermien zuzustimmen, liegt im Auftreten einer bösartigen Erkrankung begründet. Hierunter zählen alle Erkrankungen, die im Zusammenhang mit Krebs stehen bzw. eine Chemotherapie nach sich ziehen sowie Operation, die zum Verlust der Zeugungsfähigkeit führen.

 

Einfrieren von Eizellen

 

Sollten Sie über das Einfrieren von Eizellen nachdenken, müssen Sie sich im Klaren sein, dass die Kryokonservierung nur für bereits befruchtete Eizellen, d.h. Eizellen, die sich im Vorkernstadium befinden, möglich und die Überlebensrate nach dem auftauen nicht 100prozentig ist. Vorkernstadium bedeutet in diesem Fall, dass die Befruchtung der Eizelle stattgefunden haben muss und höchstens eine Verschmelzung von Samen- und Eizelle existiert. Sobald die Zellteilung einsetzt, definiert der Gesetzgeber das so entstandene Leben als Embryo, welcher nach dem Embryonenschutzgesetz nicht eingefroren werden darf.
 
Die Mindestanzahl, ab der der behandelnde Arzt einer Konservierung von Eizellen zustimmt, ist ebenfalls vom Gesetzgeber geregelt und derzeit ab 3 überschüssigen (nach einer Hormonbehandlung, die für eine künstliche Befruchtung angewandt wurde) und qualitativ hochwertigen Eizellen möglich. Eine Obergrenze wurde seitens des Gesetzgebers nicht festgelegt. Für Sie bedeutet dies, dass Sie nach einer Eizellenentnahme neben den für den Transfer vorgesehenen Eizellen möglichst alle Eizellen befruchten lassen sollten.

Im Übrigen liegt die derzeitige Überlebensrate nach dem Auftauen der Eizellen bei knapp 70 Prozent.

 

Welche Kosten entstehen bei der Kryokonservierung?

 

Da es sich bei der Kryokonservierung um eine Zusatzdienstleistung im Rahmen der künstlichen Befruchtung handelt, werden durch die gesetzlichen Krankenkassen keinerlei Anteile übernommen. Wie sich bei den privaten Krankenkassen verhält, ist im Einzelnen abhängig vom jeweiligen Vertrag und muss speziell nachgefragt werden; Ihr zuständiger Ansprechpartner steht Ihnen dabei gern zur Verfügung. Darüber hinaus gilt für Zusatzdienstleistungen, dass deren Höhe vom behandelnden Arzt bzw. von der behandelnden Praxis separat festgelegt werden und dementsprechend variieren können. Im Mittel müssen Sie aber für eine Kryokonservierung von Eizellen mit Kosten in Höhe von 200 bis 500 Euro, für die Kryokonservierung von Spermien durchschnittlich mit 250 Euro und für das Einfrieren von Hoden- oder Eierstockgewebe mit 200 bis 400 Euro rechnen. Zuzüglich zu diesen Aufwendungen schlägt die Kryolagergebühr mit ca. 150 Euro je halbem Jahr zu Buche.

 

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